14. MÄRZ 2026: DER TINY FOREST KOMMT!

Hinter den Tiny Forest Friends stehen wir als Interessengemeinschaft, die sich für die Pflanzung eines kleinen Waldes mitten im Bochumer Stadtteil Wattenscheid einsetzt. Wir werden ein ehemaliges Betriebsgelände als Modell- und Forschungsfläche aufforsten. Damit wollen wir unser Klima verbessern, unsere Gemeinschaft stärken und unsere Umgebung schöner machen.

Diese Homepage begleitet unseren Tiny Forest nun schon einige Jahre – von der ersten Idee Anfang 2021 bis zur Pflanzung am 14. März 2026 – und soll andere zum Mit- und Nachmachen animieren.

In diesem Sinne: Macht bitte mit!

5.000 Setzlinge sollen am 14. März 2026 auf einer Gesamtfläche von 1.500 Quadratmetern in die Erde. Dafür werden viele Hände gebraucht. Wer mithelfen möchte, kann sich über diesen Link anmelden. Bitte tragt euch für 10.00 Uhr, 12.00 Uhr oder 14.00 Uhr ein. Die Zeitangaben sind für die Planung der Pflanzung wichtig.

Alle nötigen Gerätschaften werden gestellt. Mitbringen müsst ihr nur wetterangepasste Kleidung, feste Schuhe und Handschuhe. Treffpunkt ist das ehemalige Betriebsgelände im Stadtgarten Wattenscheid. Das Areal ist auch für Ortsfremde leicht zu finden: Es liegt hinter dem Fachwerkhaus am Hauptweg des Parks, der die Parkstraße und den Stadtgartenring verbindet. Wer mit dem Auto kommt, kann es auf dem Parkplatz an der Parkstraße abstellen. Von dort sind es nur zwei Minuten Fußweg bis zum zukünftigen Miniwald.

Die Schülerinnen und Schüler des Märkischen Gymnasiums sowie der Gertrudisschule in Wattenscheid werden gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern bereits am 13. März Vorarbeit leisten. Zudem wird die Hochschule Bochum einen kleinen Teil des Waldes als Forschungsfläche nutzen und nach der Pflanzung Bildungsangebote für alle Altersgruppen entwickeln.

Finanziert wird die Pflanzung von der Städtebau-Förderung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung sowie von der Stadt Bochum. Aber hinter diesen Behörden und Ämtern stecken echte Menschen, die sich für den Tiny Forest eingesetzt haben, und ohne die unsere Interessengemeinschaft nicht so weit gekommen wäre.

Ein großer Dank geht an die Mitglieder der Wattenscheider Bezirksvertretung in der Besetzung von 2021 für ihre Zustimmung, an die Damen und Herren in der Bochumer Verwaltung, die die Gelder beantragt und die Umsetzung – so gut es in fünf Jahren möglich war – wohlwollend vorangetrieben haben, an das Stadtteilmanagement in Wattenscheid und die beauftragten Spezialisten, die für unsere Ideen immer ein offenes Ohr hatten und haben. Danken wollen wir auch den Helferinnen und Helfern, die sich bereits für den 14. März angemeldet haben bzw. sich noch anmelden werden (Stand 5. März 2026).

 

Was ist ein Tiny Forest?

Das Konzept basiert auf den Vorgaben des japanischen Ökologen und Vegetationskundlers Dr. Akira Miyawaki, der jahrzehntelang die Wiederbelebung heimischer Wälder im urbanen Raum erforscht und propagiert hat. Miyawakis Methode für die Pflanzung ist in klar strukturierte Schritte unterteilt und passt ideal zu unserem Standort, der mitten in einer dicht besiedelten Umgebung liegt und an dem eine über viele Jahre bebaute und versiegelte Fläche renaturiert wird.

 

2021: DIE IDEE

 

IRGENDWAS MIT BÄUMEN

Als es um Vorschläge für die zukünftige Nutzung des brachliegenden städtischen Betriebsgeländes in Wattenscheider Innenstadtlage ging, dachten wir sofort an Bäume. Sie sorgen für ein angenehmes Klima, für Schatten, für gute Luft, für mehr Insekten und Vögel sowie für eine gesunde und lebenswerte Umgebung.

 

Immer dringlicher machen in Wattenscheid den Wunsch nach Bäumen auch zahlreiche Verluste im alten Bestand. Viele große Bäume wurden in den letzten Jahren gefällt, weil sie krank und nicht mehr verkehrssicher waren. Andere, auch gesunde Bäume, mussten und müssen Neubauten weichen. Zudem leidet Wattenscheid noch heute unter den Nachwirkungen von Ela. Der Sturm hatte Pfingsten 2014 viele alte Bäume entwurzelt. Ausgleichende Nachpflanzungen ließen auf sich warten.

 

Irgendwas mit Bäumen musste es also sein. Da kam uns ein kleiner Wald in den Sinn und wir fragten uns, ob der auf das Betriebsgelände passen könnte. Von Tiny Houses, winzigen Häusern, hatten wir schon gehört. Analog dazu gaben wir ‚nur mal so’ Tiny Forest in die Suchmaschine ein: in 0,61 Sekunden lieferte sie ungefähr 314.000.000 Ergebnisse. Überzeugt hat uns das Konzept Tiny Forest® des niederländischen Vereins IVN Natuureducatie.

Schon im Januar 2021, als die Idee für einen Tiny Forest langsam Form annahm, haben wir die zuständigen Politiker und Ämter informiert bzw. in die Recherche mit einbezogen. Mitte Februar 2021 haben wir unsere „Bürgeranregung nach Paragraf 24 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen bezüglich eines Miniwaldes für Wattenscheid“ offiziell bei der zuständigen Bezirksverwaltungsstelle in Wattenscheid eingereicht.

Die Presse wurde parallel in unsere Pläne eingeweiht.

Die darauf folgende Resonanz hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Verbreitet wurde die Nachricht über unser Wattenscheider Tiny-Forest-Vorhaben über das Radio, das Regionalfernsehen sowie über Online- und Print-Medien. Uns haben daraufhin zahlreiche Anrufe von anderen Initiativen, von Vereinen, Schulen und Interessierten erreicht, die sich wie wir für ein besseres Klima und mehr Bäume engagieren und sich mit uns vernetzen wollen. Die Wattenscheider Idee hat in kurzer Zeit weit über die Stadtgrenzen hinaus viele Freunde gewonnen und einige Pflanzungen sind an anderen Orten bereits entstanden.

Die Aussichten auf eine zügige Umsetzung der Idee klangen zunächst auch in Wattenscheid vielversprechend. Ende April 2021 hatte sich das Umwelt-und Grünflächenamt in Bochum für den Tiny Forest ausgesprochen und der Bezirksvertretung einen entsprechenden Beschlussvorschlag unterbreitet. Bei der Sitzung der Bezirksvertretung am 11. Mai 2021 stand der Tiny Forest auf der Tagesordnung und wurde von den Mandatsträgerinnen und -trägern grundsätzlich positiv beurteilt. Der Beschluss wurde dennoch verschoben, da von den zuständigen Ämtern leider noch keine konkreten Vorschläge zur Größe und Lage des Tiny Forests vorgelegt wurden.

Die Verwaltung hatte damals Ämterworkshops und anschließende Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten angekündigt, nach denen konkretere Vorschläge vorgelegt werden sollten. Bei den letzten Sitzungen der Bezirksvertretung vor der Sommerpause stand der Tiny Forest nicht auf der Tagesordnung. Bei der Sitzung am 7. September 2021 haben die Bezirksvertreterinnen und Bezirksvertreter leider immer noch keinen endgültigen Beschluss gefasst, aber in der Willenserklärung über den Tiny Forest niedergeschrieben: „Die Bezirksvertretung begrüßt diese Absicht grundsätzlich und fordert die Verwaltung auf, hierzu eine aktualisierte Beschlussvorlage vorzulegen. Sofern erforderlich könnten … bezirkliche Mittel bis zu einem Betrag von 15.000 Euro bereitgestellt werden.“

Konkrete Vorschläge bzw. Sachstandsberichte waren für Anfang Oktober 2021 versprochen worden und wir hatten gehofft, dass bei der Sitzung der Bezirksvertretung, die für den 26. Oktober 2021 angesetzt war, der Beschluss endlich offiziell gefasst wird. Leider stand der Tiny Forest an dem Tag wieder nicht auf der Tagesordnung. Vertröstet wurden wir mit der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung, die für den 30. November 2021 angesetzt war. Und endlich, zehn Monate nach dem Einreichen unserer Bürgeranregung, wurde an diesem Tag der Tiny Forest auf dem Betriebsgelände von den damaligen Mandatsträgerinnen und -trägern offiziell beschlossen. Ein erster Schritt war gemacht.

In Aussicht gestellt wurde für die Umsetzung von der Bochumer Verwaltung das Jahr 2024 oder 2025. Der lange Vorlauf wurde mit der  aufwendigen Planung des Abrisses der alten Gebäude, der Prüfung des Bodens und der anspruchsvollen Bodenaufarbeitung begründet. Und natürlich auch mit Geldmitteln, die beantragt und bereitgestellt werden mussten.
2025 wurden dann die Gebäude auf dem Areal abgerissen, und für das potenzielle Vorkommen von Fledermäusen Fledermauskästen als Sommer- und Winterquartiere gemäß der Empfehlung des Artenschutzgutachtens in der Umgebung aufgehängt. Der Boden wurde entsiegelt und aufgearbeitet.
Im November 2025 stand eigentlich alles bereit. Aber da spielte das Wetter nicht mit, der Boden war durch lang anhaltende Regenfälle im Oktober 2025 so aufgeweicht, dass der Mutterboden nicht wie geplant aufgebracht werden konnte. Darum wurde der Termin auf das Frühjahr 2026 verschoben. Ende Februar 2026: Der Boden ist in Teilen immer noch so nass, dass er nicht komplett mit Mutterboden bedeckt werden konnte, aber die für die Pflanzung vorgesehenen Flächen werden bis zum 14. März weitgehend vorbereitet sein.
 
 

 

 

GEMEINSAM FÜR DEN WALD

Finanziert wird der Wattenscheider Tiny Forest hauptsächlich von der Stadt mit Hilfe von Fördergeldern aus Landes-, Bundes- oder EU-Mitteln. Wir als Bürgerinitiative wollen uns bei der Umsetzung weiterhin einbringen. Dabei setzen wir auf ein konstruktives Zusammenwirken, sowohl mit den Verantwortlichen aus der Verwaltung als auch allen anderen Menschen, die sich für den Wald engagieren. Wichtig sind uns Pflanz- und Pflegeaktionen in Gruppen aus Anrainern, Studierenden, Schulkindern und anderen an der Umwelt Interessierten. Wir hoffen, dass dadurch die Wertschätzung für die Natur sowie die gemeinschaftlich geleistete Arbeit gefördert wird und ein nachhaltiges Umweltbewusstsein entsteht.

JEDERZEIT WALDZEIT

 

Einen kurzen Waldbesuch zur Frühstückspause, eine lehrreiche Schulstunde in der Natur, eine wohltuende Waldzeit direkt vor der Haustür – schon bald kann Bochum seinen Bürgerinnen und Bürgern das mitten in Wattenscheid ermöglichen. Als Fläche genügen einem Tiny Forest schon 200 Quadratmeter, gegen mehr ist nichts einzuwenden, und mit unserer Interessengemeinschaft  hatten wir uns die größtmögliche Fläche zum Ziel gesetzt. Das wären 2.000 Quadratmeter auf der insgesamt 6.000 Quadratmeter großen Fläche des Betriebsgeländes gewesen. 1.500 Quadratmeter sollen es jetzt werden. Verglichen mit der Größe anderer Pflanzungen bewegen wir uns damit im oberen Segment; wir sind zufrieden.

Innerhalb weniger Jahre wird sich hier ein Wald etablieren, der in die übrige als Parklandschaft gestaltete Fläche eingebettet ist. Am Anfang wird der Wattenscheider Miniwald mit seinen jungen Setzlingen und einer gemulchten Schutzschicht nach fast nichts aussehen. Bereits nach drei Jahren wird er sich schon selbst erhalten können. Und sobald er groß ist, wird jeder einzelne Baum darin laut IVN bis zu 8.000 Liter Regenwasser speichern, den Kühleffekt von zehn Klimaanlagen leisten sowie das CO2 und den Feinstaub von 10.000 Kilometern Autofahrt absorbieren. Absolut ‚unberechenbar’ ist dabei das Wohlbefinden, das er bei seinen Besucherinnen und Besuchern auslösen kann.

Die METHODE

VIELFALT IM WALD

Wesentliche Merkmale des Tiny Forests sind die große Artenvielfalt und sein schnelles Wachstum. Für die sorgt der Konkurrenzdruck, der durch einen deutlich engeren Pflanzverband als in herkömmlichen Pflanzungen provoziert wird. Drei Pflanzen pro Quadratmeter gelten als gute Menge. Als Arten kommen alle Bäume, Sträucher und Stauden, die sich in unserer Region bzw. im Boden des Betriebsgeländes wohlfühlen in Frage. Die gilt es im Vorfeld in der Umgebung aufzuspüren und aufzulisten. Dabei sollten die Pflanzen, die sich im Umfeld als Gruppe bewährt haben, auch im Tiny Forest gemeinsam gesetzt werden. Die erforderliche Biodiversität gewährleisten ungefähr 30 bis 40 verschiedene Arten. Ihre Verteilung und Platzierung muss gründlich geplant werden, aber dabei unbedingt wie zufällig wirken, damit der Wald später ganz natürlich aussieht.

Die Bäume werden als Setzlinge in einer Höhe von 80 bis 90 cm in die Erde gepflanzt. Der Anteil an hoch wachsenden Laubbäumen liegt auf der Gesamtfläche dabei bei ca. 15 bis 20 Prozent. Kleiner wachsende Bäume übernehmen als Unterholz mit 40 bis 50 Prozent den Hauptanteil der Pflanzung. Sträucher werden mit einem Anteil von 25 bis 30 Prozent angesiedelt und Stauden sind mit acht bis zwölf Prozent vertreten.

WALD WILL WALDBODEN

Die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Pflanzung eines Tiny Forests ist ein lockerer und durchlässiger Boden, der einem natürlichen Waldboden möglichst nahekommt. Eine besondere Herausforderung war in diesem Zusammenhang der Boden des Wattenscheider Betriebsgeländes. Er bestand zum Teil aus Beton, Asphalt und Schotter. Bevor hier ein Wäldchen eine Chance hatte zu wachsen, musste der Untergrund geprüft, entsiegelt und sehr tief aufgearbeitet werden.

WACHSTUMSHILFEN

Ein Tiny Forest ist im Vergleich mit anderen Pflanzungen relativ genügsam. Bis er sich als stabiles Ökosystem selbst erhalten kann, muss er dennoch gepflegt werden. Ein Zaun schützt ihn vor dem Betreten und verhindert so zertrampelte Pflanzen und einen verdichteten Boden. Bedeckt werden muss dieser regelmäßig mit einer dicken Stroh- oder Mulchschicht, die ihn vor dem Austrocknen, vor Frost sowie unerwünschtem Beikraut schützt und zudem beim Kompostieren wichtige Nährstoffe freisetzt. Das Beikraut muss gejätet werden, damit es nicht die Nährstoffe der priorisierten Pflanzung verbraucht und so ihr Wachstum verzögert. Drei Jahre können vergehen, bis das Laubdach so dicht ist, dass es ohne Hilfe den Waldboden vor zu viel Sonne schützen kann und bis das eigene Laub, herabfallende Äste und Saat die Nährstoffe für den Boden liefern.

Anfangs ist das Wässern insbesondere bei Trockenheit ebenfalls wichtig, es sollte aber höchstens wöchentlich erfolgen, damit die Bäume dazu angeregt werden, tief zu wurzeln. Nach zwei Jahren kann der Wald seinen Wasserhaushalt alleine regulieren.

Ein dauerhaftes Problem ist voraussichtlich Müll. Der muss laufend aus dem Wald geräumt werden.

Friends

Den Wattenscheider Tiny Forest befürworten Adelheid Jacob – Physiotherapeutin, Sigrid Schwittay – Kaufmännische Angestellte, Frank Winter – Journalist, Martina Laarmann – Kaufmännische Angestellte, Fritz Agildere – Student, Andreas Dudzik – Bühnenmeister, Carolanne Weidle – Lehrerin, Roland Weidle – Professor, Kornelia Schrinner – Bürofachangestellte, Leoni Höhle – Kaufmännische Angestellte, Erika Müller – PVB, Nina Laarmann – Dipl. Kommunikations- und Marketingwirtin, Angelika Wrobel – Hausfrau, Oliver Jacob – Hausverwalter, Daniel Basso – Musiker, Özen Gider – Fotografin, Sabine Gembalczyk – Sozialarbeiterin, David Pape – Übersetzer, Elke Steffen – Hausfrau, Dr. Michael Grosse-Büning – Zahnarzt, Anke Winckler – Kostümbildnerin, Özlem Agildere – Diplomingenieurin, Marion Ossendoth – Anästhesieschwester, Klaus Gutscher – Hausmann, Petra Schuff – Kaufmännische Baustellenabwicklerin, Udo Brennholt – Schulleiter, Sabine Napieralla – Dozentin, Eberhard Schrinner – Zimmerermeister, Dieter Wobben – Doktor der Ingenieurwissenschaften U.V.M.

Ein besonderer Dank gilt Özen Gider für die Gestaltung und Umsetzung der Homepage sowie ihre Fotografien, die sie für den Wattenscheider Tiny Forest unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat.

Kontakt