NASS, Matschig, Großartig!
Unser Tiny Forest wurde gepflanzt! Über 200 Menschen haben an zwei Pflanztagen trotz Regen und Matsch gemeinschaftlich einen großen Teil der Pflanzen in die Erde gesetzt. Vielleicht lag es gerade am schlechten Wetter: Die Stimmung lässt sich einfach nur als großartig beschreiben. Egal ob man sich kannte oder nicht, kleine Gruppen haben sich zusammengefunden, alle haben Hand in Hand gearbeitet. Mit dabei waren Privatleute, Familien, Verbände, Vereine, Initiativen, Firmen, Ämter und viele andere. Ein großer Dank geht an all diese Menschen!
Ganz besonders wollen wir uns auch bei den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrerinnen und Lehrern des Märkischen Gymnasiums und der Gertrudisgrundschule in Wattenscheid bedanken, die am ersten Pflanztag tolle Vorarbeit geleistet haben. Zudem hat die Hochschule Bochum einen kleinen Teil des Waldes als Forschungsfläche angelegt und wir hoffen, dass in Zukunft Bildungsangebote für alle Altersgruppen aus dieser Kooperation entstehen werden.
Begleitet wurde die Pflanzung auch von der Presse. „Großer Aufwand für Mini-Wald“, betitelte der WDR seinen Beitrag im Regionalprogramm. Die WAZ beschrieb den Tag treffend: „Heute Matsche: In Zukunft ein Wäldchen…“. Der Stadtspiegel setzt auf „Grün statt Grau“. Auch die Stadt Bochum postete und verschickte eine Pressemitteilung mit der Headline „Gemeinsames Buddeln für Tiny Forest in Wattenscheid“, die beispielsweise vom Nachrichtenportal RheinRuhr24 geteilt und weiter verbreitet wurde. Einige Eindrücke findet ihr zudem auf unserem Instagram-Account über den Link am Fuß der Seite.
Zur guten Stimmung hat maßgeblich auch das Catering beigetragen. Bestens versorgt wurden wir mit heißer Gemüsesuppe, laufend frisch aufgebrühtem Kaffee, verschiedenen Teesorten und Schnittchen von den ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfern des Wattenscheider Weltladens. Leckere Waffeln gab es ebenfalls, frisch gebacken von den Oberstufenschülerinnen und -schülern des Märkischen Gymnasiums.
Wie geht es nun weiter? Alle Pflanzen konnten wir an den beiden Pflanztagen leider nicht setzen. Die übrig gebliebenen Setzlinge werden zurzeit von einer Gartenbaufirma in die für den Tiny Forest reservierte Fläche von 1.500 Quadratmetern gepflanzt.
Unser Miniwald ist Teil eines neu gestalteten Geländes mit einer Gesamtgröße von ca. 6.000 Quadratmetern, das zusätzlich mit einer Streuobstwiese und Sitzmöglichkeiten aus Baumstämmen naturnah als ruhiger Bereich und grünes Klassenzimmer angelegt wird. Wenn das Wetter mitspielt, wird die Fläche im Frühsommer 2026 eröffnet. Der Waldboden darf dann nur noch bei Bedarf zum Nachmulchen, Wässern und Beikrautjäten betreten werden. Der Wald wird trotzdem dank Rundweg erlebbar sein. Das Areal ist auch für Ortsfremde leicht zu finden: Es liegt angrenzend an den Stadtgarten Wattenscheid hinter dem Fachwerkhaus am Hauptweg, der die Parkstraße und den Stadtgartenring verbindet.
Die Kosten für die Neugestaltung der gesamten Fläche liegen inklusive Abrissarbeiten, Bodenaufbereitung und Pflanzung nach Angaben der Stadt Bochum bei ca. einer Million Euro. Finanziert wurde das Projekt von der Städtebau-Förderung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung sowie von der Stadt Bochum. Hinter diesen Behörden und Ämtern stecken Menschen, die sich für den Tiny Forest eingesetzt haben, und ohne die unsere Interessengemeinschaft nicht so weit gekommen wäre. Ein paar mehr Danksagungen gehen daher an die Mitglieder der Wattenscheider Bezirksvertretung in der Besetzung von 2021 für ihre Stimme, an die Damen und Herren in der Bochumer Verwaltung, die die Gelder beantragt und die Umsetzung – so gut es in fünf Jahren möglich war – wohlwollend vorangetrieben haben, an das Stadtteilmanagement in Wattenscheid, das für unsere Ideen immer ein offenes Ohr hat, die beauftragten Fachfirmen sowie unseren Oberbürgermeister Jörg Lukat, der bei der Pflanzung mit angepackt hat. (Aktualisiert am 24. März 2026)
Was ist ein Tiny Forest?
Das Konzept basiert auf den Vorgaben des japanischen Ökologen und Vegetationskundlers Dr. Akira Miyawaki, der jahrzehntelang die Wiederbelebung heimischer Wälder im urbanen Raum erforscht und propagiert hat. Miyawakis Methode für die Pflanzung ist in klar strukturierte Schritte unterteilt und passt ideal zu unserem Standort, der mitten in einer dicht besiedelten Umgebung liegt und an dem eine über viele Jahre bebaute und versiegelte Fläche renaturiert wird.
2021: DIE IDEE UND DER WEG
IRGENDWAS MIT BÄUMEN
Hinter den Tiny Forest Friends stehen wir als Interessengemeinschaft, die sich für die Pflanzung eines kleinen Waldes mitten im Bochumer Stadtteil Wattenscheid eingesetzt hat. Damit wollen wir unser Klima verbessern, unsere Gemeinschaft stärken und unsere Umgebung schöner machen.
Als es um Vorschläge für die zukünftige Nutzung des brachliegenden städtischen Betriebsgeländes in Wattenscheider Innenstadtlage ging, dachten wir sofort an Bäume. Sie sorgen für ein angenehmes Klima, für Schatten, für gute Luft, für mehr Insekten und Vögel sowie für eine gesunde und lebenswerte Umgebung.
Irgendwas mit Bäumen musste es also sein. Da kam uns ein kleiner Wald in den Sinn und wir fragten uns, ob der auf das Betriebsgelände passen könnte. Von Tiny Houses, winzigen Häusern, hatten wir schon gehört. Analog dazu gaben wir ‚nur mal so’ Tiny Forest in die Suchmaschine ein: in 0,61 Sekunden lieferte sie ungefähr 314.000.000 Ergebnisse. Überzeugt hat uns das Konzept Tiny Forest® des niederländischen Vereins IVN Natuureducatie.
Schon im Januar 2021, als die Idee für einen Tiny Forest langsam Form annahm, haben wir die zuständigen Politiker und Ämter informiert bzw. in die Recherche mit einbezogen. Mitte Februar 2021 haben wir unsere „Bürgeranregung nach Paragraf 24 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen bezüglich eines Miniwaldes für Wattenscheid“ offiziell bei der zuständigen Bezirksverwaltungsstelle in Wattenscheid eingereicht.
Die Presse wurde parallel in unsere Pläne eingeweiht.
Die darauf folgende Resonanz hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Verbreitet wurde die Nachricht über unser Wattenscheider Tiny-Forest-Vorhaben über das Radio, das Regionalfernsehen sowie über Online- und Print-Medien. Uns haben daraufhin zahlreiche Anrufe von anderen Initiativen, von Vereinen, Schulen und Interessierten erreicht, die sich wie wir für ein besseres Klima und mehr Bäume engagieren und sich mit uns vernetzen wollen. Die Wattenscheider Idee hat in kurzer Zeit weit über die Stadtgrenzen hinaus viele Freunde gewonnen und einige Pflanzungen sind an anderen Orten bereits entstanden.
Die Aussichten auf eine zügige Umsetzung der Idee klangen zunächst auch in Wattenscheid vielversprechend. Ende April 2021 hatte sich das Umwelt-und Grünflächenamt in Bochum für den Tiny Forest ausgesprochen und der Bezirksvertretung einen entsprechenden Beschlussvorschlag unterbreitet. Bei der Sitzung der Bezirksvertretung am 11. Mai 2021 stand der Tiny Forest auf der Tagesordnung und wurde von den Mandatsträgerinnen und -trägern grundsätzlich positiv beurteilt. Der Beschluss wurde dennoch verschoben, da von den zuständigen Ämtern leider noch keine konkreten Vorschläge zur Größe und Lage des Tiny Forests vorgelegt wurden.
Die Verwaltung hatte damals Ämterworkshops und anschließende Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten angekündigt, nach denen konkretere Vorschläge vorgelegt werden sollten. Bei den letzten Sitzungen der Bezirksvertretung vor der Sommerpause stand der Tiny Forest nicht auf der Tagesordnung. Bei der Sitzung am 7. September 2021 haben die Bezirksvertreterinnen und Bezirksvertreter leider immer noch keinen endgültigen Beschluss gefasst, aber in der Willenserklärung über den Tiny Forest niedergeschrieben: „Die Bezirksvertretung begrüßt diese Absicht grundsätzlich und fordert die Verwaltung auf, hierzu eine aktualisierte Beschlussvorlage vorzulegen. Sofern erforderlich könnten … bezirkliche Mittel bis zu einem Betrag von 15.000 Euro bereitgestellt werden.“
Konkrete Vorschläge bzw. Sachstandsberichte waren für Anfang Oktober 2021 versprochen worden und wir hatten gehofft, dass bei der Sitzung der Bezirksvertretung, die für den 26. Oktober 2021 angesetzt war, der Beschluss endlich offiziell gefasst wird. Leider stand der Tiny Forest an dem Tag wieder nicht auf der Tagesordnung. Vertröstet wurden wir mit der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung, die für den 30. November 2021 angesetzt war. Und endlich, zehn Monate nach dem Einreichen unserer Bürgeranregung, wurde an diesem Tag der Tiny Forest auf dem Betriebsgelände von den damaligen Mandatsträgerinnen und -trägern offiziell beschlossen. Ein erster Schritt war gemacht.
GEMEINSAM FÜR DEN WALD
Finanziert wird der Wattenscheider Tiny Forest hauptsächlich von der Stadt mit Hilfe von Fördergeldern aus Landes-, Bundes- oder EU-Mitteln. Wir als Bürgerinitiative wollen uns bei der Umsetzung weiterhin einbringen. Dabei setzen wir auf ein konstruktives Zusammenwirken, sowohl mit den Verantwortlichen aus der Verwaltung als auch allen anderen Menschen, die sich für den Wald engagieren. Wichtig sind uns Pflanz- und Pflegeaktionen in Gruppen aus Anrainern, Studierenden, Schulkindern und anderen an der Umwelt Interessierten. Wir hoffen, dass dadurch die Wertschätzung für die Natur sowie die gemeinschaftlich geleistete Arbeit gefördert wird und ein nachhaltiges Umweltbewusstsein entsteht.
JEDERZEIT WALDZEIT
Einen kurzen Waldbesuch zur Frühstückspause, eine lehrreiche Schulstunde in der Natur, eine wohltuende Waldzeit direkt vor der Haustür – schon bald kann Bochum seinen Bürgerinnen und Bürgern das mitten in Wattenscheid ermöglichen. Als Fläche genügen einem Tiny Forest schon 200 Quadratmeter, gegen mehr ist nichts einzuwenden, und mit unserer Interessengemeinschaft hatten wir uns die größtmögliche Fläche zum Ziel gesetzt. Das wären 2.000 Quadratmeter auf der insgesamt 6.000 Quadratmeter großen Fläche des Betriebsgeländes gewesen. 1.500 Quadratmeter sollen es jetzt werden. Verglichen mit der Größe anderer Pflanzungen bewegen wir uns damit im oberen Segment; wir sind zufrieden.
Innerhalb weniger Jahre wird sich hier ein Wald etablieren, der in die übrige als Parklandschaft gestaltete Fläche eingebettet ist.
Die METHODE
VIELFALT IM WALD
Wesentliche Merkmale des Tiny Forests sind die große Artenvielfalt und sein schnelles Wachstum. Für die sorgt der Konkurrenzdruck, der durch einen deutlich engeren Pflanzverband als in herkömmlichen Pflanzungen provoziert wird. Drei Pflanzen pro Quadratmeter gelten als gute Menge. Als Arten kommen alle Bäume, Sträucher und Stauden, die sich in unserer Region bzw. im Boden des Betriebsgeländes wohlfühlen in Frage. Die gilt es im Vorfeld in der Umgebung aufzuspüren und aufzulisten. Dabei sollten die Pflanzen, die sich im Umfeld als Gruppe bewährt haben, auch im Tiny Forest gemeinsam gesetzt werden. Die erforderliche Biodiversität gewährleisten ungefähr 30 bis 40 verschiedene Arten. Ihre Verteilung und Platzierung muss gründlich geplant werden, aber dabei unbedingt wie zufällig wirken, damit der Wald später ganz natürlich aussieht.
Die Bäume werden als Setzlinge in einer Höhe von 80 bis 90 cm in die Erde gepflanzt. Der Anteil an hoch wachsenden Laubbäumen liegt auf der Gesamtfläche dabei bei ca. 15 bis 20 Prozent. Kleiner wachsende Bäume übernehmen als Unterholz mit 40 bis 50 Prozent den Hauptanteil der Pflanzung. Sträucher werden mit einem Anteil von 25 bis 30 Prozent angesiedelt und Stauden sind mit acht bis zwölf Prozent vertreten.
WALD WILL WALDBODEN
Die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Pflanzung eines Tiny Forests ist ein lockerer und durchlässiger Boden, der einem natürlichen Waldboden möglichst nahekommt. Eine besondere Herausforderung war in diesem Zusammenhang der Boden des Wattenscheider Betriebsgeländes. Er bestand zum Teil aus Beton, Asphalt und Schotter. Bevor hier ein Wäldchen eine Chance hatte zu wachsen, musste der Untergrund geprüft, entsiegelt und sehr tief aufgearbeitet werden.
WACHSTUMSHILFEN
Ein Tiny Forest ist im Vergleich mit anderen Pflanzungen relativ genügsam. Bis er sich als stabiles Ökosystem selbst erhalten kann, muss er dennoch gepflegt werden. Ein Zaun schützt ihn vor dem Betreten und verhindert so zertrampelte Pflanzen und einen verdichteten Boden. Bedeckt werden muss dieser regelmäßig mit einer dicken Stroh- oder Mulchschicht, die ihn vor dem Austrocknen, vor Frost sowie unerwünschtem Beikraut schützt und zudem beim Kompostieren wichtige Nährstoffe freisetzt. Das Beikraut muss gejätet werden, damit es nicht die Nährstoffe der priorisierten Pflanzung verbraucht und so ihr Wachstum verzögert. Drei Jahre können vergehen, bis das Laubdach so dicht ist, dass es ohne Hilfe den Waldboden vor zu viel Sonne schützen kann und bis das eigene Laub, herabfallende Äste und Saat die Nährstoffe für den Boden liefern.
Anfangs ist das Wässern insbesondere bei Trockenheit ebenfalls wichtig, es sollte aber höchstens wöchentlich erfolgen, damit die Bäume dazu angeregt werden, tief zu wurzeln. Nach zwei Jahren kann der Wald seinen Wasserhaushalt alleine regulieren.
Ein dauerhaftes Problem ist voraussichtlich Müll. Der muss laufend aus dem Wald geräumt werden.
Friends
Ein besonderer Dank gilt Özen Gider für die Gestaltung und Umsetzung der Homepage sowie ihre Fotografien, die sie für den Wattenscheider Tiny Forest unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat.
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